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3:

Neuer Morgen, neuer Tag. 6:00 Uhr. Wenigstens war es nicht Tinka, die mich geweckt hatte, aber wer jetzt besser war… Wecker oder Tinka? Schwere Entscheidung. Also ließ ich es sein mit dem Entscheiden und stand auf. Das Übliche: Waschen, Anziehen, ect. Heute hatte glücklicher Weise niemand Geburtstag, sonst wäre es echt nichts mit Diät oder so. Immer dieser leckere Kuchen… Als ich dann also fertig mit allem drum und dran war, klingelte ich bei meiner Cousine Valery, schließlich warteten wir ja immer aufeinander, damit wir zusammen zum Bus gehen konnten. Was wohl doch nicht so ganz wahr war, weil sie schon gegangen war. Also rannte ich zu meinem Fahrrad, um sie noch auf dem Weg einzuholen. Was ich dann erst an der Haltestelle schaffte… und einholen konnte man es ja auch nicht nennen. Jedenfalls fuhren wir dann zusammen mit dem Bus. Sie stieg immer eine Haltestelle vor mir aus. In der Schule war es eigentlich wie immer. Normal halt. Ich konnte zum ersten Mal mit unserer Neuen reden. Victoria. Sie hatte genau wie ich SoBi, deshalb verbrachten wir die ersten beiden Stunden gemeinsam. Ja und so weiter bla. Sie war eigentlich ganz nett, aber irgendwer aus der Klasse meinte zu ihr, dass sie sich bloß nicht zu uns gesellen sollte, weil wir voll der Loser-Tisch sind.

Das war ja natürlich so übermäßig nett, sodass ich mich überhaupt nicht aufregen musste. Ich hatte ja keinen Grund. Sonst lief es wirklich alles normal ab… 100 % Normalität. Wer hat die Ironie bemerkt? Aber egal. Weiter im Verlauf meines Tages… Ach… was war denn noch? Ach ja. Ich kam dann irgendwann nach Hause. Und was tat ich? Mit Ricky spielen. Wieder einmal gab ich mir die wahnsinnige Mühe ein tolles Kind zu sein… oder eher gesagt, ein guter Teenager, aber alles was nur kam war: „Macie gewöhnt sich langsam ein, mhm? Die war heute richtig fleißig. Sie hat ihre Wäsche weggeräumt!“ Hallo? Das hab ich auch gemacht? Und ich hab mit Ricky gespielt? Freiwillig! Während sie in ihrem Zimmer auf dem Bett lag und per ICQ mit irgendwem gechattet hat und dieses dumme O-Ou bei jeder neuen Nachricht mir die Nerven rausgerissen hat. Wie macht man es einer Mutter recht? Meiner anscheinend gar nicht. Es war ja schon so selten, dass sie mich mal umarmte oder einfach so sagte, dass sie mich lieb hatte, aber hallo? Vor mir von der unheimlich fleißigen Mackenzie schwärmen, während ich in meinem ganzen Leben wahrscheinlich 20.000 Mal so viel gemacht habe! Als Macie damals einen kleinen Job hatte (Zeitungen austragen- Das Übliche), habe ich ihr sogar geholfen und nicht einmal etwas dafür bekommen. Mir wurden 30 Euro angeboten, damit ich mich eine weitere Ferienwoche ausgiebig (d.h. 24 Stunden) um Ricky kümmere und ich habe nein gesagt, weil ich nicht für Geld mit ihm spielen will! Macie hätte sofort ja gesagt! Das wette ich! Ich will die Liebe spüren, die so viele andere auch spüren. Die Liebe von der Person, die mir in meinem Leben eigentlich am meisten bedeutet, aber anscheinend merkt niemand, wie es mir geht. Wie sehr es mir wehtut, wenn sie Macie umarmt und ihr ein Küsschen gibt. Und nicht mir… Dabei bin ich doch ihre Tochter. Mum wollte immer einen Jungen. Ich war kein Wunschkind. Macie konnte sie sich mehr oder weniger aussuchen. Mum hätte sagen können, dass sie nicht hier einziehen darf. Also ist Macie so gesehen ein Wunschkind. Und ich bin das kleine unbedeutsame Ding, dass alles dafür tut seine Familie glücklich zu sehen. Wie sehr ich mir wünschte noch einmal klein zu sein. Die ganzen Probleme nicht in meinem Kopf zu haben. 7 oder so. Da hatte ich die Probleme nicht. Da wurde ich nur gemobbt. Aber damit kam ich klar. Geldsorgen, Toter Vater, Ignorierender, egoistischer Halbbruder, kleiner Quälgeist, Jugendamt, Schule… all das war damals nicht in meinem Kopf. Und jetzt? Jetzt ließ es mich nicht mehr in Ruhe. Und ich könnte jederzeit anfangen zu weinen. Meine Seele blutet und niemand merkt es. Also kratzen. Kratzen. Kratzen. Meinen Schmerz stärker machen. Es ist eine Art des Ritzens, nur dass ich es gar nicht will, sondern einfach mache. Heute war ich wieder kurz davor irgendeine Stelle in meinem Gesicht zu zerkratzen. Heute waren es noch insgesamt fünf Macken. Zwei an der Stirn, eine den Nasenrücken entlang, eine unterm Auge und die letzte an der Augenbraue. Ich finde keine Lösungen für meine Probleme. Würde ich nicht so viele Ziele in meinem Leben haben, hätte ich gar kein Leben mehr. Ich will hier raus. Ich will aus meinem Körper. Ich will aus diesem Traum aufwachen, der mich auffrisst und zerstört. Ich will weinen. Endlos weinen. Und getröstet werden. Keine Fragen hören. Nur eine Hand auf meinem Rücken, die mich tröstet. Arme um meinen Körper, die mich bergen. Küsse auf meiner Stirn, die mir Liebe vermitteln. Ich will richtig leben. Ich will.

 

2:

Meine Mutter weckte mich am nächsten Morgen 10 Minuten bevor mein Wecker klingelte. Ganz einfach, indem sie die Tür öffnete und unsere Katze Tinka hineinlief. Sie sprang zwar nicht auf mein Bett, aber auf den Käfig von meinem kleinen dsungarischen Hamster Charly.

Zwar kommt Tinka nicht an ihn ran, aber er kann quietschen! Das wünsche ich keinem Ohr. Mum war nicht mehr böse auf mich. Wahrscheinlich, weil ich gestern Abend noch mal kurz ihr krankes Tuck-Tuck war. Ich lag im Bett und wollte schlafen. Andererseits wollte ich es nicht und habe ein bisschen an meiner Nase rumgekratzt (ich hab da so ne blöde Macke). Sie hatte sich wahrscheinlich entzündet, weil ich an dem Tag zum ersten Mal seit langem wieder Tönungscreme in meinem Gesicht hatte. Auf einmal wurde es an meinen Finger… feucht und ich nahm mein Handy um meinen Finger zu beleuchten und sah wahnsinnig viel Blut. Ich ging ins Badezimmer und nahm mir einen nassen und kalten Waschlappen um mir das ganze Blut vom Nasenrücken zu wischen. Dann wollte ich eigentlich in den Keller gehen. Ich habe geweint, weil es weh tat, aber aus irgendeinem Grund habe ich weiter gekratzt und es floss immer mehr Blut. Dann habe ich mich doch irgendwann dazu aufgerafft in den Keller zu gehen. Weinend. Meine Eltern starrten mich an, als ich den Keller betrat, dann nahm ich den Waschlappen von meiner Nase und zeigte ihnen das Blut. Ca. 2 Minuten streichelte meine Mum mein Bein und es war toll. Dafür lohnte sich der Schmerz wirklich, dabei wollte ich das mit dem Kratzen gar nicht bewirken! Aber es war trotzdem schön. Normalerweise war bei uns immer um zehn Uhr abends Schicht im Schacht. Ich war auch nicht viel länger auf, aber immerhin zehn Minuten länger als sonst, weil ich mich dann endlich beruhigt hatte. Es tat immer noch wahnsinnig weh, aber ich war müde. Als ich nach oben ging hörte ich aus Macie’s Zimmer noch laute Musik dröhnen, obwohl Ricky am Schlafen war. Bei Macie konnte man manchmal echt denken, dass sie da ne Party feiert. Als sie die Tür zu gehen hörte, wurde die Musik erstaunlicher Weise schnell leiser. Zehn Minuten später ging sie wieder an. Und ich lag in meinem Bett mit einer schmerzenden Nase, für die ich selbst verantwortlich war. Erneut zurück in die Gegenwart. Ich stand wie jeden Morgen auf, wusch mich, zog mich an, aß etwas, ging zur Schule. Heute konnte ich wieder mit meiner großen Cousine Valery gehen. Montags und freitags hatte sie Berufsschule, weswegen wir nicht zusammen mit dem  Bus fahren konnten. Also nur die restlichen Tage der Woche. An der Haltestelle stand wie üblich Robbie. Er war genauso alt wie ich und einer der wenigen Typen, die ich kannte. Oder eher gesagt: mit denen ich befreundet war. Dadurch, dass ich auf eine Mädchenschule ging, hatte ich halt auch wenig mit Jungs zu tun. In der Schule angekommen, beglückwünschte ich als allererstes Liz. Die schüchterne, rothaarige Mitschülerin, die zusammen mit Dakota, Shannon und mir die Patin für die 5d war. Und das erste was ich machte, war Nicole damit zu beauftragen, ihr die Augen zuzuhalten, damit ich unbemerkt die 5er in die Klasse scheuchen konnte, damit sie für Liz sangen. Und genau das tat ich dann auch. Liz hatte keine wirklichen Freunde in der Klasse, was mir ein wenig leid tat, aber sie war irgendwie komisch. Sie hatte ADS oder so und musste jeden Tag Tabletten nehmen, damit sie ruhig bleibt. Sie zittert andauernd und ist in allem viel langsamer als die anderen in ihrem Alter, was man auch am Aussehen sieht. Ich hätte sie niemals auf 15 geschätzt, wenn ich sie nicht gekannt hätte. Ich mochte sie aber irgendwie und ich fand es gemein, dass immer für alle gesungen wurde und alles schön dekoriert, aber für die ‚Außenseiter’ nicht. Als sie die Augen aufmachen durfte freute sie sich total, als alle zusammen (die 5er und unsere Klasse) für sie sangen. Hayley hatte Kuchen gebacken und Jade hatte Servietten mitgebracht. Von Dakota waren noch Luftschlangen von Haisha’s Geburtstag da. Es war einfach schön. Und ich freute mich, dass Liz sich freute. In den ersten beiden Stunden hatten wir Geschichte. Unsere Lehrerin war heute etwas genervt, was ich verstehen konnte, denn alle 5 Minuten kam eine andere 6.-Klässlerin in die Klasse, um irgendetwas zu holen. Es war die letzte Stunde vor den Herbstferien, was für uns hieß: Keine Hausaufgaben. In Religion war es auch so. Unser Lehrer hatte einen neuen Haarschnitt. Genauer gesagt: Gar keinen. Er hatte seine ganzen Haare und seinen ganzen Bausch-Bart abrasiert! Und am Hinterkopf war nur noch eine kleine Strähne, auf die ein paar aus der Klasse ihn hinwiesen. Er lachte und sagte, dass er es selber gemacht hatte und hinten leider keine Augen besaß. Es ging weiter mit Kunst. Oh ja, Kunst. Wie ich Kunst liebte. Wir hatten gerade so ein Thema mit Raumgestaltung, 3D denken und so was. Wir sollten also einen Platz zeichnen, auf dem 2 Figuren und 3 Kugeln zu sehen waren, aber natürlich in einem Raum. Das hieß: Was hinten ist, ist in der Mitte vom Bild und klein und was vorne ist, ist oben, unten, rechts oder links und größer. Mir fiel nichts ein und ich zeichnete eine U-Bahn, die nach Schweden oder meinetwegen auch durch Schweden fuhr. Eigentlich sah es relativ cool aus, wobei meine Mitschüler immer besser werden. Besonders Jade und sie, auch wenn es blöd klingt, immer mehr zu Konkurrenz werden. In der Grundschule hatte ich keine Freunde, niemand hat sich für mich interessiert und als ich dann auf der neuen Schule auf einmal bewundert wurde, weil ich so gut zeichnen konnte, fühlte ich mich wahnsinnig gut. Es klingt irgendwie egoistisch, aber ich will die Beste sein. Ich will weiter so bewundert werden. Ich fand nie wirklich, dass meine Bilder gut aussahen. Nur manchmal. Bei denen, bei denen ich mir so viel Mühe gab. Aber als Jade in die Klasse kam und Haisha zeigte, was sie konnte und Shannon anfing zu zeichnen… da war ich nur noch eine von vielen. Und das machte mich irgendwie traurig. Nach dem Kunstunterricht hatten wir frei und ich fuhr zusammen mit Belmira, einer weiteren Klassenkameradin aus Portugal, nach Hause. Wir redeten so darüber, was wir am Wochenende gemacht hatten und dann stieg sie auch schon aus und ein paar Haltestellen weiter stieg ich aus. Als ich zu Hause war, saß meine liebste Oma auf dem Sofa und spielte mit Lego. Ricky saß auf dem Boden und rollte rum. Ich stand mitten im Wohnzimmer und sah verwirrt hin und her. Nachdem ich meine Tasche abgestellt hatte, versuchte ich Ricky zu überreden, in den Kindergarten zu gehen. Dienstags hatte er immer Logopädie, weil er nicht deutlich sprechen konnte, und war deshalb nicht im Kindergarten gewesen. Da Oma es immer anstrengend fand mit ihm zu spielen, versuchte ich ihn halt zu überreden. Ich versuchte es mit allem was ihn normalerweise beeindruckte, aber er wollte da bleiben und mit Oma eine Autobahn aus Lego-Steinen bauen. Also ging ich nach dem Regen mit dem Hund rum und setzte mich dann dazu, um ein riesiges Haus zu bauen. Es sollte bis an die Decke gehen, jedenfalls wenn es nach dem Willen von Ricky gegangen wäre. Leider hatten wir nicht genug Steine. Als Dad nach Hause kam (er war mit Macie bei der Familienberatung- Dort gingen sie oft hin, weil Macie’s Mum, Macie wieder zu Hause haben wollte, da sie sonst kein Kindergeld, ect. bekam) ging ich in die Küche und räumte die Spülmaschine aus und wieder ein. Ich wollte Mum glücklich machen, weil ich mir schließlich vorgenommen hatte, wieder mal nett und freundlich zu sein. Also putzte ich die ganze Küche! Sie sah so wahnsinnig sauber aus und ich war stolz auf mich. Als Mum dann nach Hause kam… bemerkte sie es wohl nicht. Also nicht einmal ein Dank. Aber das war mir egal. Zum Teil. Nein, war es nicht, aber ich versuchte es zu ignorieren! Jetzt konnte ich nichts mehr machen. Zu Mum und Dad ins Wohnzimmer wollte ich nicht. Sie redeten nur wieder über Familienberatung, Macie, Ricky und so weiter und sofort. Also: Nein. Ich ging in mein Zimmer und zeichnete. Ein Tierheim. Warum weiß ich nicht. Mir fiel nichts anderes ein und irgendwie fand ich die Idee gut. Und es sah auch echt klasse aus! Ich zeigte es Mum und Dad und sie fanden es gut. Als ich wieder im Zimmer war hörte ich Mum. Sie wollte mit Dad irgendetwas machen, aber konnte Ricky ja nicht allein im Zimmer lassen. Ich weiß noch genau, was sie sagte: „Meinst du ich kann Lana fragen, ob sie noch mal 5 Minuten auf Ricky aufpassen kann?“ Dad antwortete darauf: „Ne, dann gibt’s wieder Rumgezicke. Die hat grad schon die ganze Zeit.“ , „Macie brauch ich gar nicht erst fragen… Das geht eh wieder schief.“ Sie fragte Macie trotzdem und mit ihrem üblich genervten Blick, trottete sie angekotzt ins Kinderzimmer. Es waren nicht einmal 5 Minuten. Es war vielleicht eine. Bei mir wurden immer halbe Stunden aus den 5 Minuten. Weil mir wirklich nichts mehr einfiel, was ich hätte machen können, suchte ich einen Film aus meiner DVD Sammlung. Mit dir an meiner Seite. Wunderschön und zum Heulen. Und das tat ich natürlich auch. Leider gab es an der traurigsten Stelle eine Unterbrechung: „Lana, Macie! Essen kommen.“ Wir gingen beide in die Küche. ICH deckte den Tisch. Und ICH deckte ihn ab. Ich war ja so ein braves Mädchen und das einzige was von Mum kam war: „Der Bio-Müll ist direkt neben dem Teller, warum tust du den Kartoffelbrei nicht rein?“ Und ich stand da. Hallo? Frau Mama? Ich habe die Küche geputzt, die Spülmaschine gemacht, den Tisch gedeckt, den Tisch abgedeckt (ich war sogar noch beim Abdecken) und dem Hund Wasser gegeben! Was hat Macie gemacht? Aber meine Antwort war einfach: „Ich bin ja noch am Abräumen. Das hätte ich danach gemacht.“ Aber es war nicht irgendwie ein ‚OK’ oder ‚Achso. Dann ist gut.’ Nein. Sie meinte: „Wir können das auch mal einen Tag so machen, dass ihr die Eltern seid und wir die Kinder und wir benehmen uns dann ganz genauso wie ihr. Einen Tag bist du der Dad und einen Tag ist Macie der Dad. Mal schauen wie euch das gefällt.“ Daraufhin sagte ich dann nichts mehr. Ich ging nach dem Abräumen einfach wieder in mein Zimmer und sah den Film zu Ende. Und dann ging ich an den PC. Meine Bemühungen waren also vollkommen umsonst. Mal sehen, was mich morgen für ein Scheiß erwartet.

 

1:

Die letzten Tage, ach was sag ich da… Die letzten Wochen, Monate waren die Hölle für mich. Leider muss ich sagen, dass ich mich verändert habe. Zu viel. Ins Negative. Mein Leben ist noch schlimmer als zuvor geworden! Ich würd gern sagen, dass es nur bis die Pubertät endet so bleibt, aber das glaube ich nicht. Ich bin zickig geworden, erfülle meine Pflichten nicht mehr so wie früher und, alles ist einfach anders! Seit meine Schwester Mackenzie bei uns wohnt. Klingt vielleicht komisch, aber sie hat halt bei ihrer leiblichen Mutter gewohnt und die ist nicht meine Mutter. Genau wie ihr Vater eigentlich nicht mein Vater ist. Jedenfalls wurde sie rausgeschmissen. Ihre Mutter war in meinen Augen noch nie eine gute Mutter. Ihr war es egal was Mackenzie machte oder anzog. Ihre Noten waren ihr egal, ob sie raucht war ihr egal, ect. Und so kam es dann irgendwann dazu, dass ihre Mutter einen Freund fand, der steinalt aussieht (wahrscheinlich ist er es auch) und, ja… Der mochte Macie wohl nicht so. Also beschlossen sie mal kurzer Hand, dass Mackenzie weg muss. Und so kam sie dann zu uns. Auch wenn es gemein klingt: Ich bin klüger und vernünftiger als sie. Wir sind gleich alt. Ich bin allerdings zwei Monate und acht Tage älter. Glücklicherweise, denn ich finde das Jahr 1996 besser als 1997. Daraus kann man schließen, dass ich entweder im November oder im Dezember Geburtstag habe. Ich löse das Rätsel auf: Dezember. Der 10. um genau zu sein. Um 14:33 Uhr kam ich in einem evangelischen Krankenhaus auf die Welt. Aber zurück in die Gegenwart. Meine Mutter ist momentan wahnsinnig wütend auf mich. Ich bin so völlig das Gegenteil, von dem was ich sein will. Dabei fing der Tag doch so gut an! Ich stand morgens wie gehabt auf und fuhr zur Schule. Meine Freundin Haisha hatte Geburtstag. Sie wurde 15 und wir hatten Kuchen und Muffins mitgebracht. Die ersten beiden Stunden hatten wir Latein und wir bekamen unsere Arbeit zurück. „Was habt ihr?“ fragte Haisha und warf einen kurzen Blick auf unsere Hefte. Bis auf Sabatina hatten alle am Tisch eine 2+. Also auch ich. Im Übersetzungsteil hatte ich sogar eine 1. Ich war so glücklich und umarmte meine Freunde erstmal mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht. In der Pause musste Hayley auf Toilette und Mädchen gehen ja nie alleine durch die Schule, also kam ich mit. Während Hayley… naja… „machte“ stand ich vor den Toiletten und rief meine Mum an. „Hey, Mum… Ich… ich habe meine Lateinarbeit wieder…“ sagte ich ziemlich traurig. “Oh. Du klingst aber nicht sehr glücklich…” antwortete sie fürsorglich. „Ich hab eine 2+!“ Ich glaube durch meinen Freudeschrei hatte sie erstmal ein paar Minuten Ohrenschmerzen, aber hallo? Ich hatte eine 2+! In Latein! Dem schlimmsten und mittlerweile auch schwersten Fach auf meinem Stundenplan! Sie freute sich total. „Ja, siehste! Hab ich nicht gesagt, dass Lernen sich lohnt! Mensch, toll.“ Das Selbe sagte auch meine Oma. Und ich war so glücklich. Meinen Vater wollte ich nicht anrufen. Dem wollte ich es lieber zeigen, denn als ich einmal angerufen hatte, sagte er nur: „Ja. Toll.“ Und ich wollte einen freudigen Dad, den ich leider auch nicht hatte. Als ich zu Hause war stellte ich als allererstes meine Tasche ab und ging dann in Rickys Kinderzimmer. Dem gemeinsamen Sohn meiner Mum und meines Stief-Dad’s, der für mich ja auch mein normaler Dad ist. Ricky saß mit ihm auf dem Teppich und zusammen spielten sie Autos oder etwas Ähnliches. Ich setzte mich auf das Bett meiner Eltern und dann platze es heraus: „Ich hab ne 2+ in Latein!“ Die erste Reaktion von Dad war: „Zeigen.“ Ich kramte in meiner Tasche und zog das rote Heft heraus. Ich schlug die Seite auf, auf der die Note stand. Der Rest sagte ihm eh nichts. Ich tippte glücklich auf die zwei, während er mit prüfendem Blick die Unterschrift meiner Lehrerin überprüfte. „Ja. Gut gemacht.“ Das war’s dann auch mit seiner Freude. „Bist du stolz auf mich?“ Und er nickte nur. Das war schon immer so, aber es tat immer noch weh. Ich hatte es ihm schon einmal gesagt, dass er sich doch mal mehr freuen kann, aber er meinte nur, dass er ja wohl nicht alles stehen und liegen lassen, auf mich zu rennen und fest drücken kann. „Am besten noch in die Luft schmeißen!“ meinte er nur. Es war also sinnlos irgendetwas an Dad verbessern zu wollen, da es ihm eh egal war oder er sich nicht auf wirkliche Diskussionen einließ. Als es letztens ums Sparen ging, schlug ich vor, dass er ja aufhören könnte zu rauchen, aber der Vorschlag gefiel ihm komischer Weise auch nicht. Also ging ich in mein Zimmer, machte die Berichtigung und Mathehausaufgaben. Nach ca. 10 Minuten kam Dad in mein Zimmer und meinte, dass er und Ricky jetzt im Keller seien. Das waren sie öfters. Dort hatte Dad all seine Schallplatten und seine Computer (ja, Plural!). Und nicht zu vergessen: Seinen so wunderbaren Fernseher, der selbst Sixx empfängt. Ach, was hätte ich den gerne in meinem Zimmer. Naja, ich machte also meine Hausaufgaben. Macie war in ihrem Zimmer. Wahrscheinlich wie immer am PC. Ihre Hauptbeschäftigung am Tage war immer: Fernseher, Computer, Musik. Gleichzeitig. Ich konnte nicht einmal chatten und telefonieren und sie tat gleich 3 Sachen gleichzeitig! So gegen fünf kam Mum nach Hause. Sie ging mit Kaffee auch in den Keller und weil mir langweilig war, ging ich an den Computer. Ich hasse es tagsüber am PC zu sitzen! Aber mir war halt langweilig. Nach einiger Zeit, die ich mit Langeweile im Internet verbrachte, bekam ich einen Anruf von meiner Mutter. „Lana, sag Mackenzie mal Bescheid, dass sie sich auf Ricky vorbereiten soll. Du natürlich auch. Der kommt jetzt gleich hoch. Und frag sie was für eine Pizza sie haben will.“ Also ging ich in Macie’s Zimmer und richtete das oben genannte aus und fragte welche Pizza sie essen möchte. Dann kamen sie auch schon hoch. Also, Mum und Ricky. Mum ging in die Küche um die Pizzen in den Ofen zu schieben und wir gingen mit Rick ins Kinderzimmer und spielten ca. eine Stunde mit ihm Autos, während Mum in der Zeit an den PC ging oder sich mit Mackenzie unterhielt und als sie dann zu mir meinte, dass ich immer frecher werde und damit aufhören soll und ich mich dann lieb (und nicht ironisch!) bei ihr entschuldigte und versprach, dass ich in nächster Zeit lieb sein wolle, meckerte sie mich an, dass ich nicht mit Ricky spielte. Oh mein Gott. Wie viel habe ich denn in Rickys ganzen Leben schon mit ihm gespielt? Also auf jeden Fall soviel, dass Macie es nur einholen könnte (!), wenn ich auf der Stelle sterben würde oder nach Australien auswandern oder was weiß ich. Aber ich meckerte nicht großartig und spielte weiter mit Ricky. Wie üblich. Während Macie still daneben saß und irgendwas machte. Ich weiß nicht was. Es war mir auch egal. Meine Augen waren auf Ricky. Als wir dann Pizza aßen, aßen wir halt Pizza. Ricky wollte nicht und heulte rum. Mum machte den Fernseher an und Ricky war etwas ruhiger geworden. Als ich mit Essen fertig war, wollte Ricky mit mir spielen, aber, naja. Ich wollte nicht, weil ich es ungerecht gefunden hätte, noch mal mit ihm zu spielen, während Macie nach dem Essen wieder in ihrem Zimmer gesessen hätte und deswegen sagte ich, dass ich nicht möchte. Das fand Mum natürlich nicht toll und so fing das mit dem wütend sein an. Als ich mich dann aufgerafft hatte doch mit ihm zu spielen, durfte ich nicht. Mum nahm ihn mir weg und spielte selber mit ihm. Bockig, wie ich nun manchmal war, saß ich auf dem Sofa und schaute fern. Ich sollte Ricky noch einen Kakao machen, weil er sonst nie einschläft und als ich dann ein bisschen mit ihm rumtobte und ihn kitzelte, pflaumte Mum mich nur an, dass ich gehen soll. Und dann saß ich wieder voller Langeweile, zum Teil auch Wut, in meinem Zimmer am PC. Ich hatte ihr gesagt, dass ich es unfair gefunden hätte, aber ihr war es wieder egal. Sie meinte nur, wenn alles gerecht sein würde, dann würde es ganz anders laufen und es würde mir nicht gefallen. Ich bin ziemlich traurig. Zum Teil bin ich wütend auf sie und zum anderen auf Macie. Aber am meisten bin ich wütend auf mich. Und wieder habe ich eine neue Schramme im Gesicht, von der alle denken, dass sie irgendwoher kommt. Aber nicht von mir.